Fenrir
Fenrir – Der Urwolf
Die Götter hatten Angst vor ihm. Nicht vor seiner Größe – vor dem, was er bedeutete. Fenrir war die Prophezeiung des Endes. Das Wesen, das Odin verschlucken würde. Und Odin wusste es. Und ließ ihn trotzdem aufwachsen.
Wer ist Fenrir?
Fenrir ist der Sohn Lokis und der Riesin Angrboða – einer der drei apokalyptischen Kinder Lokis. Die Götter brachten ihn nach Asgard, um ihn zu überwachen. Nur Tyr, der Gott der Gerechtigkeit, hatte den Mut, ihn zu füttern. Alle anderen hatten zu viel Angst.
Die unzerstörbare Fessel
Fenrir wuchs schnell. Die Götter versuchten ihn mit Ketten zu fesseln – Leyding, dann Drómi. Beide brach er spielend. Da schufen die Zwerge Gleipnir – aus unmöglichen Dingen: dem Geräusch von Katzentreten, dem Bart einer Frau, den Wurzeln eines Berges. Weich wie Seide – und unzerstörbar.
Fenrir misstraute der seltsamen Fessel. Er stimmte nur zu, wenn einer der Götter seine Hand in sein Maul legte. Nur Tyr war bereit. Fenrir ließ sich fesseln. Gleipnir hielt. Tyr verlor seine Hand.
Ragnarök
An Ragnarök bricht Gleipnir. Fenrirs Maul berührt Himmel und Erde. Er verschluckt Odin. Odins Sohn Víðarr rächt ihn und tötet den Wolf.
Angst erschafft manchmal das, was sie fürchtet. Die Götter machten Fenrir zum Feind – durch ihre Angst vor ihm.
Symbolik
Die selbsterfüllende Prophezeiung. Die Götter fesselten Fenrir wegen der Prophezeiung – und machten ihn damit zum Feind, der sie hassen würde. Hätten sie ihn frei gelassen? Vielleicht wäre er kein Feind geworden.
Ungezähmte Natur. Fenrir ist das Symbol für Kräfte, die sich nicht kontrollieren lassen. Er ist die wilde Natur am Rand der Ordnung – gebunden, aber nie wirklich bezähmt.
Tyrs Opfer. Tyr legt seine Hand in Fenrirs Maul, obwohl er weiß, dass er sie verlieren wird. Das ist Gerechtigkeit als körperliches Opfer.