Nornen
Nornen – Die Schicksalsfrauen
Selbst Odin muss ihnen gehorchen. Die drei Nornen sitzen unter dem Weltenbaum und weben das Schicksal aller Wesen. Götter, Menschen, Riesen – niemand entkommt dem, was sie in ihre Fäden spinnen.
Die drei Nornen
Die drei Hauptnornen verkörpern die drei Dimensionen der Zeit:
Urðr – „die Gewordene" – Vergangenheit. Ihr Name steckt im deutschen Wort Urteil und im englischen Weird (ursprünglich: Schicksal).
Verðandi – „die Werdende" – Gegenwart. Sie verkörpert den fließenden Moment, das Jetzt.
Skuld – „die Sein-Sollende" – Zukunft. Sie erscheint in einigen Quellen auch als Valkyrie – die Verbindung zwischen Schicksal und Tod.
Was die Nornen tun
Die Nornen sitzen am Brunnen der Urðr unter dem Yggdrasil. Jeden Tag schöpfen sie Wasser und bestreichen damit den Weltenbaum, damit er nicht fault. Und sie weben. Mit Fäden, die das Leben jedes Wesens darstellen. Jeder Faden hat eine Länge – wenn er durchtrennt ist, stirbt das Wesen.
Die Völuspá beginnt und endet mit dem Schicksal. Die Nornen weben es. Alle anderen leben es.
Schicksal und freier Wille
Die Nornen werfen eine der ältesten philosophischen Fragen auf: Haben wir einen freien Willen, wenn das Schicksal bereits gewoben ist? Die nordische Mythologie gibt keine einfache Antwort. Auch Odin weiß, was kommen wird – und handelt trotzdem. Das Schicksal zu kennen, befreit nicht von der Pflicht zu handeln.
Symbolik
Zeit als Einheit. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft sind nicht drei separate Dinge. Was war, beeinflusst was ist. Was ist, beeinflusst was sein wird. Die Nornen verkörpern Zeit als Kontinuum.
Drei als heilige Zahl. Drei Wurzeln des Yggdrasil, drei Göttergruppen, drei Brunnen – und drei Nornen. Die Zahl der Vollständigkeit in der nordischen Weltanschauung.